Montag, 7. August 2017

Mein schönstes Ferienerlebnis


pappcartoon goes festival… the bericht

Am Freitag bin ich frühmorgens zum 2. Thüringer Figurentheaterfest aufgebrochen. Anno Navi ist es kein Problem, kreuz und quer durch die malerischen Dörfer des Thüringer Waldes zu gurken und dann im Seminarzentrum "Schieferbruch" zu landen... kurz nachdem man das Gefühl hat, die Straße endet hinter einer gigantischen Schieferabraumhalde im Wald.

Das Hotel, in dem wir Spieler wohnten, war recht angenehm und hat eine gewisse Ostalgie verströmt, genau wie das Essen. (Ich habe zum ersten Mal Soljanka probiert.)

Nach dem Einchecken hab ich zunächst den Raum gesucht, in dem ich meinen Workshop über die Klappcartoon-Bastelbühnen halten sollte.

Das war weitgehend Improvisation; ich habe mich daran orientiert, was ich im Sommer 2015 im Rahmen der „Projekttage“ an der hiesigen Grundschule angeboten habe. Alle Teilnehmer (neben ein paar Kindern und Lehrerinnen etliche Papiertheaterveteranen) sind am Ende mit einer kleinen Klappbühne und den ersten Kulissen und Figuren davongezogen... sowie mit einem Schwung neuer Ideen.

Ich habe nämlich ein paar meiner besten Spezialeffekte mitgebracht und gezeigt, was man aus Papier alles machen kann, wenn man schräge Einfälle, eine Schere und genügend Klebstoff hat.

Das Kürslein muß ganz gut gewesen sein, denn viele Leute haben danach bedauert, daß es nicht besser angekündigt worden war; sie wären gern dabei gewesen.

Danach hab ich mir das erste Stück eines Kollegen angeschaut und dabei festgestellt, daß er zwar ein echter Profi ist, der auf einer Papierbühne (!) mit Feuer (!!) arbeitet, daß er aber auch nur mit Wasser kocht. Das war beruhigend.

der Röchler und der Lächler
Am Samstag hatte ich meinen ersten, eigenen Auftritt. Obwohl ich vor Lampenfieber vorher beinah aus den Latschen gefallen bin, ging alles glatt. Die Leute haben an den richtigen Stellen gelacht und sich gut amüsiert, als der Commander Kaschperl durch die „Unendlichen Weiten“ des Weltalls gegondelt ist. Ein paar neue Darsteller haben das frisch überarbeitete Theaterstück von 2012 zusätzlich aufgewertet.

Bei der zweiten Vorstellung am Nachmittag war ich schon etwas entspannter.


Szenenfoto aus "Unndliche Weiten"
Abends war ich komplett erschöpft: das Zuschauen bei den anderen Bühnen ist in den kleinen, dichtbesetzten Räumen bei warmem Wetter und wegen der Verdunkelung zugehängter Fenster fast noch anstrengender als das Spielen.

Aber das wars wert. Beim Blick hinter die Kulissen der anderen Bühnen habe ich sehr viel gelernt und manchmal wegen der Raffinesse buchstäblich Bauklötze gestaunt - keines ist wie das andere, obwohl die meisten von ihnen mit Vornamen „Papiertheater“ heißen.


Am Sonntag nach dem Schlußapplaus hätte ich mir so gern noch ein weiteres Theaterstück angesehen, aber ich war zu dem Zeitpunkt schon sehr müde und musste den letzten Rest Adrenalin für die Autobahn verwenden.


Die Heimfahrt verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle, mein Auto kannte den Weg ja bereits.

Heute muß ich alles wieder fein säuberlich auseinanderklamüsern und aufräumen. Ich bin immer noch etwas neben der Spur, aber sehr zufrieden mit mir und meiner Leistung. Ich bin froh, daß ich die Einladung von Penny und Ludwig Peil angenommen habe, als sie Anfang Juli bei mir angerufen hatten und mich gebeten haben, kurzfristig für eine andere Bühne einzuspringen.

Bis zuletzt hatte ich Angst vor meiner eigenen Courage und von selbst hätte ich mich wohl nie getraut, mich als Teilnehmerin bei einem derartigen Festival zu bewerben. Doch jetzt sieht die Sache ganz anders aus…

Der HighTech-Anteil bei meiner Bühne beschränkt sich nach vielen Jahren des Ausprobierens mittlerweile nur noch auf die drei kleinen Soundboxen, mit denen ich verschiedene, ulkige Geräusche machen kann. Einige Zuschauer hatten das noch nie gesehen und waren nach meinen Vorstellungen schwer begeistert von den kleinen Dingern. (Immer wieder Danke dafür, Harry!)

Da ich nicht in komplett verdunkelten Räumen spiele, komme ich sogar ohne großartige Beleuchtung aus. Das Proszenium ist grob, die Figuren sind groß, die Kulissen schlicht und weitere optische Effekte gibt es nicht. Das war ein Kontrast zu den filigranen, historischen Bühnen, der erfreulich gut angekommen ist.

der Wucki
Die eigentliche Show mache nämlich ich. Mit meiner Stimme in verschiedenen Tonarten, Dialekten und Lautstärken – und natürlich mit den schrägen Charakteren, die in meinen selbst geschriebenen Stücken mitspielen. Die NaVivi mit ihren glitzernden „Antennen“ oder Wucki, der stark behaarte Bordelektriker, haben schon beim bloßen Auftreten für Lacher gesorgt.

Dieses Festival hat mir wirklich gut getan, weil ich viel Anerkennung bekommen habe und weil einige von den Profis offen erklärt haben, was sie von mir abschauen wollen. (Ich werde mir im Gegenzug natürlich auch den einen oder anderen Kniff für meine Bühne „ausleihen“.)


das legendäre Röntgengerät
So war es zwar nicht im Stück dabei, aber Teil einer kleinen Ausstellung: das „Röntgengerät“, das ich vor Jahren für eine ganz besondere Aufführung gebaut habe. Der böse Wolf tritt hinter das Gerät – und plötzlich kann man in ihn reinschauen: er hat ein Wollknäuel und einen Filzpantoffel im Bauch und damit offensichtlich die Großmutter verschlungen…

Der Gag ist total einfach, aber unglaublich wirkungsvoll. Mal sehen, auf welcher anderen Bühne er zuerst auftauchen wird.

Es war schön, neue Leute kennenzulernen und ich freue mich schon heute darauf, diesen munteren Papiertheater-Wanderzirkus bald wieder einmal zu treffen.


Am besten, ich melde mich schon mal für das 3. Thüringer Figurentheaterfest im nächsten Jahr an - und da steh ich dann offiziell im Flyer dabei, Herrschaften!

Diese Aufführungen habe ich bestaunt:

Haases Papiertheater (Titan)
TourneeTheater Thomas Hirche (Robinson Crusoe)
Papiertheater Fabula (Der fliegende Holländer)
Das Pimperltheater (Der Riese aus dem Weinviertel)
Papiertheater Invisius (Rumpelstilzchen)
Papiertheater Heringsdorf (Orpheus)
Papiertheater Thalia (Die Hosen des Herrn von Bredow)
... nur die Bühnen bewundert:
Papierniks Papiertheater (Frau Luna)
Falk Pieter Ulke (Schneewittchen)
Papirteatret Meklenborg (Ehrengard)