Samstag, 1. April 2017

Ich präsentiere: KuhShibai



pappcartoon im Kamishibai = KuhShibai

So sieht die neue Bühne aus

Nach der lästigen Krankheitsgeschichte neulich habe ich immer noch Probleme damit, die Arme länger ausgestreckt zu halten, um so Papiertheater spielen zu können, wie ich es bisher gemacht habe.

Außerdem geht es mir zunehmend auf die Nerven, meine sperrige Bühne und die erforderliche Ausrüstungskrempel zu den jeweiligen Spielorten zu bugsieren und dort in mühsamer Kleinarbeit auf- und abzubauen.

Also war ich schon seit einer Weile auf der Suche nach anderen Möglichkeiten. Eine davon ist das japanische Kamishibai.




 

Tante Wiki sagt: Kamishibai (jap. 紙芝居, setzt sich aus den Wörtern kami (, Papier) und shibai (芝居, Schauspiel, Theater) zusammen, übersetzt “der Märchenbilderschaukasten auf der Straße“) und ist ein japanisches Papiertheater. …

 


Und ich wäre nicht Betsi, die bunte Kuh, wenn ich dabei nicht sofort an eine ganz besondere Variante denken würde… das wäre dann also KuhShibai.

Bitte beachten Sie die formschöne Seekuh, links im Bild
Zu ihrem sechsten Geburtstag heute hat sich meine jüngste Nichte ein Theaterstück von mir gewünscht. Da das Wetter aber viel zu schön war, um in der Stube vor der Bühne zu sitzen, habe ich vor ein paar Tagen zum ersten Mal das japanische Klapptheater aufgebaut, das mir eine Freundin vor einer Weile bei einer Diakoniewerkstatt ihrer Gemeinde besorgt hat.


So entstand die erste Geschichte fürs KuhShibai und ich habe der Besonderheit dieser Bühne dahingehend Rechnung getragen, daß auch das Stück anders war als bei meinen gewöhnlichen Papiertheater-Vorstellungen.


Anfang der Woche hatte ich großen Erfolg mit Stabfiguren in XL und einem lustigen Text in Reimform, den ich einfach vorgelesen habe, während meine Assistenten die Figuren hin- und herbewegt haben. Die Versform werde ich beibehalten.


Der Vorteil dieser gespielten Gedichte in der flachen Klappbühne liegt darin, daß ich die Figuren nur einseitig zu produzieren brauche, da sie sich auf der Bühne nicht umdrehen können.


Hinter den Kulissen warten die Nixen und ihre Haustiere
Für Dialoge stehen max. zwei Figuren in der Bühne, während die anderen Figuren vor die Bühne gestellt werden oder an dünnen Fäden davor herumfliegen bzw. „schwimmen“. 


Vorteil zwei: die Bühne ist leicht zu transportieren, in Nullkommanix auf- und abgebaut und entspricht dem, was ich am liebsten mag: viel Text und wenig Schnickschnack.





In den letzten Jahren habe ich mich wirklich bemüht, was Beleuchtung und Bühnentechnik angeht, aber je mehr ich davon hatte, desto mehr ist mir dieses Sammelsurium an Krempel auf die Nerven gegangen.

Die bewundernswerte Perfektion der aufwändigen Produktionen meiner Theaterkollegen in Mering, Wien, Kitzingen und Heringsdorf werde ich nie erreichen, warum also nicht ganz andere, minimalistische Wege beschreiten?

Der dritte Vorteil: KuhShibai kann ich im Bedarfsfall im Sitzen spielen, gemütlich vom Stuhl aus. Gelegentlich eine Figur in die Bühne stellen, das Hintergrundbild wechseln und dafür den eigentlichen Vortrag durch Stimme, Sprache und Mimik lebendig gestalten – ideal für jemanden mit morschen Gelenken und tauben Fingerspitzen. 

Die heutige Premiere mit dem Meerchen von der „Goldfisch-Juli“ war ein voller Erfolg. Sogar meine Mutter war beeindruckt und das will was heißen.


... und alles passt in eine Tasche!
Diese Theaterform wird mein zweites Standbein und wenn es sich gut anlässt, werde ich vielleicht irgendwann ganz wechseln. Ja, dabei sehen die Leute wieder meinen roten Kopf und meine unvermeidlichen Grimassen – aber das ist dann eben so.


Und zum Glück achten die meisten Zuschauer mehr auf das Geschehen in der Bühne und auf die Geschichte, als auf die bunte Kuh hinter den Kulissen. 

In diesem Sinne: Sayonara!