Samstag, 7. Dezember 2013

Teil zwei - der Text für das Theaterstück


DER HEXENSCHATZ
¯Klingeln, Bimmeln, Hupen oder sonst ein nerviges Geräusch

(Vorhang auf, Kulisse Wald, Auftritt Kaschperl)

Kaschperl Servus Kinder, da bin ich – und ich spar’ mir jetzt die Frage, ob ihr alle da seids, weil ich seh euch ja alle vor der Bühne sitzen. Und ich hab’ jetzt auch gar keine Zeit für so einen Quatsch, weil ich nämlich zur Geburtstagsfeier von der Emma* (Name des jeweiligen Geburtstagskindes einsetzen, logisch) muß und … 
(Auftritt Großmutter)
Großmutter (streng) Kaschperl, so geht das nicht! Du musst die Kinder anständig begrüßen und fragen, ob sie alle da sind - das gehört zu deinem Job!
Kaschperl (gelangweilt) Hallo Kinder, seid ihr alle daaa? 
Kinder (hoffentlich) Jaaa.
Kaschperl So, okay – das hätten wir erledigt. Sind alle da. Soll ich die Kinder womöglich auch noch zählen, Großmutter? Sind eins… zwei… dings… fünf… oder so. Zufrieden?
Großmutter Das hättest du schon etwas netter machen können, Kaschperl.
Kaschperl Dafür hab’ ich keine Zeit, weil ich muß doch zur Feier von der Emma* – da gibt’s bestimmt einen Kuchen und wenn ich mich nicht schick’, dann ist nix mehr übrig oder bloß noch der trockene Nußkuchen, den mag ich nicht. 
Großmutter Hast du eigentlich ein Geschenk dabei, Kaschperl? 
Kaschperl Was für ein Geschenk?
Großmuuter Das Geschenk für die Emma*, natürlich. Man kann doch nicht einfach nur so zu einer Geburtstagsfeier gehen und Kuchen mampfen, wenn man kein Geschenk fürs Geburtstagskind dabei hat!
Kaschperl (verblüfft) Ach echt jetzt? Och nööö… da muß ich jetzt erst wieder zurücklatschen und irgendwas besorgen oder wie? 
Großmutter Tut mir leid, Kaschperl: kein Geschenk, keine Feier – und erst recht keinen Kuchen. 
Kaschperl Verdammt… aber bis ich mit dem Geschenk wieder da bin, haben die anderen den Kuchen ja schon komplett aufgefuttert! Und ich weiß doch gar nicht, was ich der Emma* schenken soll – die hat doch schon alles!
Großmutter Dir wird schon was einfallen. Und wennst’ dich beeilst, kriegst’ bestimmt auch noch ein Stück Kuchen ab. 
(Kaschperl grummelnd ab)
Großmutter Und ich geh’ auch schnell wieder heim, weil ich nicht weiß, ob ich den Backofen ausgeschaltet hab’. Bis später, Kinder!
(Großmutter ab, Auftritt Hexe mit Schatztruhe, ächzt und stöhnt)
Hexe Au weia, ist das Ding schwer. Hau ruck, hau ruck… ich muß das erstmal hier abstellen und ein bißl verschnaufen, puuuh… ich bin halt doch nicht mehr die Jüngste!
(Schatztruhe am Bühnenrand abstellen)
(Auftritt Kaschperl)
Kaschperl Ein Geschenk… wo soll ich denn jetzt auf die Schnelle ein Geschenk herkriegen? (stutzt) Jesses, die Hexe! Mit der ist nicht gut Kirschen essen… schnell weg…
Hexe Ah da schau her, der Kaschperl! Brauchst’ nicht wegrennen, ich hab’ dich schon gesehen! Und wenn ich dich noch einmal dabei erwisch, wie du meine Fensterläden anknabberst, verzauber’ ich dich in einen Frosch!
Kaschperl Es tut mir ja auch leid, Frau Hexe – aber Ihr Haus schmeckt halt so gut, weil’s von oben bis unten aus Lebkuchen und Schokolade ist und die Fensterläden sind sogar aus Lebkuchen MIT Schokolade, die mag ich am liebsten!
Hexe Wie gesagt: wehe, ich erwisch’ dich nochmal! Aber jetzt bin ich gerade viel zu k.o. zum Schimpfen, weil ich die schwere Truhe da quer durch den Wald geschleppt habe.
Kaschperl Was ist denn da drin?
Hexe Das geht dich gar nix an! Das ist nix für neugierige Kaschperln wie dich.
Kaschperl (zu den Kindern) Da hat die olle Spinatwachtel bestimmt jede Menge Gerümpel drin…
Hexe (drohend) Wie bitte? Was hast du gesagt?
Kaschperl Ich hab’ nur gesagt, daß so eine reizende, ältere Dame wie Sie nicht so schwer schleppen sollten, liebe, gnädige Frau Hexe. 
Hexe Stimmt das? – Kinder hat er das wirklich so gesagt?
Kinder Ja! – Nein! – (wahrscheinlich petzen zwei, drei sofort)
Hexe Na gut, dann will ich das mal glauben. Und du hast Recht, ich sollte das wirklich nicht schleppen. Darum hole ich jetzt auch meinen Hexenbesen und binde die Truhe dran fest, dann kann ich sie schweben lassen. Und du passt in der Zwischenzeit schön drauf auf, Kaschperl. 
Kaschperl (zu den Kindern) Die alte Gewitterziege soll ihren Kram schön selber bewachen!
Hexe Was hast du gesagt, Kaschperl? 
Kaschperl Ich hab’ nur gesagt, daß ich leider keine Zeit habe, weil ich ein Geschenk für die Emma* besorgen muß, liebe, gnädige Frau Hexe.
Hexe Stimmt das? – Kinder hat er das wirklich so gesagt? 
Kinder Ja! – Nein! – (wahrscheinlich petzen zwei, drei sofort wieder) 
Hexe Na gut, dann will ich das mal glauben. – Hör zu, Kaschperl: du passt auf die Truhe auf, damit die nicht wegkommt. Dafür bekommst du zur Belohnung von mir ein Geschenk, das du der Emma* mitbringen kannst, wenn ich mit dem Hexenbesen zurück bin. 
Kaschperl Okay, das ist eine gute Idee, Frau Hexe. Ich bleib’ hier und pass’ auf und Sie bringen mir ein Geschenk. So machen wir das! 
Hexe Aber auch wirklich gut aufpassen, Kaschperl! Im Wald ist der Räuber unterwegs und der klaut gern mal unbewachte Schatztruhen. 
Kaschperl Keine Sorge, Frau Hexe: ich bin ein Super-Aufpasser und wenn der Räuber nur seine greisliche Nasenspitze sehen lässt, kriegt er von mir ordentlich eins auf die Rübe! – Die Kinder helfen mir beim Bewachen und Sie können in Ruhe den Besen und das Geschenk holen. 
Hexe Ich verlass’ mich auf dich, Kaschperl. Die Truhe ist wirklich wichtig, hörst du? Daß mir die ja nicht wegkommt… 
Kaschperl Keine Sorge, Frau Hexe – und jetzt gehen Sie nur gleich los, damit Sie schnell wieder da sind. Wenn ich nämlich nicht bald zur Geburtstagsfeier komme, ist wirklich kein Kuchen mehr für mich übrig, egal, ob ich mit oder mit ohne Geschenk komme! 
(Hexe murmelnd ab) 
Kaschperl Der Räuber… pffft… daß ich nicht lach’! Der wäscht sich ja nie, der alte Dreckbär, und wenn der in der Nähe wäre, würd’ ich den schon längst riechen mit meiner großen, empfindlichen Kaschperlnase. 
(der Räuber taucht hinter dem Rücken vom Kaschperl auf – vermutlich kreischen die Kinder dann sofort los. Sobald sich der Kaschperl umdreht, verschwindet der Räuber, um kurz darauf wieder HINTER ihm aufzutauchen. Das wiederholt sich zwei- bis viermal. Der Kaschperl stellt sich natürlich entsprechend doof… ) 
Kaschperl Was spinnt’s ihr denn so? Hört’s mit dem Geschrei auf! Da ist doch gar kein Räuber… hier nicht… und da nicht… und da auch nicht… 
(Räuber weg, Auftritt König) 
König (huldvoll) Sieh an, sieh an: der Kaschperl! Was machst du hier so ganz allein im Wald, mein getreuer Untertan? 
Kaschperl Grüß Gott, Majestät! (schnell und atemlos) Aaaalso - ich wollt’ eigentlich zur Geburtstagsfeier bei der Emma* und mir da ein Stück Kuchen holen, aber dann hat die Großmutter gesagt, daß ich da nicht ohne Geschenk hingehen soll und dann hat die Hexe gesagt, daß sie mir ein Geschenk für die Emma* gibt, wenn ich auf ihre blöde Truhe da aufpasse… und jetzt warte ich eben da so herum. 
König Aber das ist doch kompletter Unsinn! Da hat die Großmutter wohl mein neuestes, königliches Gesetz noch nicht gehört, das ich neulich erlassen habe, als die Prinzessin Geburtstag hatte. 
Kaschperl Ach, wir haben ein Geburtstagsgesetz?! 
König In der Tat, Kaschperl. Ich habe verfügt, daß niemand mehr ein Geschenk zu einer Feier mitbringen muß, weil sonst bald niemand mehr Platz für die ganzen Sachen hat! - Es reicht doch, wenn ein Gast gute Laune zur Party mitbringt. Und natürlich Hunger, wegen dem Kuchen. 
Kaschperl (jammervoll) Ach ja, der Kuchen… und Hunger hab’ ich mehr als genug! 
König Dann komm’ nur gleich mit, Kaschperl, ich bin auch gerade auf dem Weg zur Emma*. Da können wir zusammen gehen, denn im Wald hier soll es einen Räuber geben und ich möchte nicht, daß mir der meine schöne Krone klaut. Wenn wir zu zweit sind, traut er sich nicht an uns heran. Wohlan… 
Kaschperl Aber ich kann da leider nicht weg, Herr König… wegen der Truhe von der Hexe – und wenn ich da nicht aufpass’ verzaubert die mich in einen Frosch! 
König Ach was, die Truhe sieht so schwer aus – die kann niemand einfach so wegnehmen. Außerdem bin ich der König und darum befehle ich dir jetzt, daß du mit mir mitkommst, basta, fertig, aus. 
Kaschperl (jammert) Ich will aber kein Frosch werden! 
König Ich verbiete der Hexe einfach, daß sie dich verzaubert. Und jetzt komm’ endlich, sonst verputzen meine anderen gefrässigen Untertanen den schönen Kuchen, bevor ich erscheine. 
Kaschperl Ja, wenn Sie meinen, Herr König… 
(König und Kaschperl ab, Auftritt Räuber) 
Räuber Ja, was haben wir denn da Schönes? Eine wertvolle Truhe von der Frau Hexe (hebt die Truhe an) und so schwer, wie die Kiste ist, ist da bestimmt auch was ganz besonders Tolles drin… vielleicht sogar Gold! Aber gleich kommt die Hexe wieder, da sollt’ ich lieber schnell verschwinden und die Truhe mit in mein Versteck nehmen. Da mach’ ich sie dann auf und schau, was drin ist… uh-oh – ich glaub’, da kommt die Hexe schon. Nix wie weg! – Und wehe, ihr verratet mich, Kinder! 
(Räuber mit Truhe ab, Auftritt Hexe mit Besen) 
Hexe So, Kaschperl – da bin ich schon wieder mit meinem Besen. Und für die Emma* hab’ ich eine schöne Haarspange (oder was sonst gerade aktuell angesagt ist: eine Hörspiel-CD?) gefunden, die kannst’ ihr dann geben… äh… Kaschperl? Wo bist du denn? Bist du irgendwo hinter einem Busch und machst Pipi? Und wo ist eigentlich meine Truhe? 
(die Hexe sieht sich suchend und schimpfend um, während die Kinder vermutlich alle durcheinander plärren) 
Hexe Hört’s mal mit dem Geplärr auf, ich kann mich ja gar nicht denken hören! Ich hab’ die Truhe doch hier abgestellt und der Kaschperl hat mir versprochen, daß er darauf aufpasst… und jetzt ist beides futschikato! Aber das kann niemand weggezaubert haben, denn die Hexe bin immer noch ich und ich war ja gar nicht da… was kann da nur passiert sein? 
(die Kinder plärren vermutlich weiter: das war der Roiiibääär!) 
Hexe Was? – Der Räuber war da und hat die Truhe geklaut?! Obwohl der Kaschperl drauf aupfassen wollte? – Waaas? Der Kaschperl hat gar nicht drauf aufgepasst und ist einfach weggegangen? Na wartet, wenn ich den erwische… aber zuerst brauch’ ich meine Truhe wieder! 
(Auftritt Fuchs) 
Hexe (klagend) Was mach’ ich denn jetzt nur? Wie soll ich den Räuber denn finden? Ich bin doch nur eine Hexe und kein Navi… 
Fuchs (lispelt) Entschuldigen Thie, wenn ich mich einmische, Frau Heckthe… 
Hexe Was willst denn du jetzt da? Ich hab’ keine Zeit für dich, Fuchs – ich muß irgendwo im Wald den Räuber finden, der meine Truhe geklaut hat! 
Fuchs Wie wär’th denn, wenn Thie die Kinder bitten, Ihnen bei der Thuche zu helfen? Dath thind ein paar junge, scharfe Augen mehr und wenn Thie thuthammen mit den Kindern lothziehen, finden Thie die Truhe bethtimmt schneller wieder, alth wenn Thie allein danach thuchen. 
Hexe Hey, du bist ja wirklich ein schlauer Fuchs! Das machen wir! – Kinder, wir gehen auf die Suche nach meiner Truhe… und wenn wir wieder zurück sind, dann verzaubere ich den Kaschperl in einen Frosch, das könnt ihr glauben! 
Fuchs Ich thiehe mich wieder thurück, Frau Heckthe… mir thind hier thu viele Leute und ich bin doch eher ein scheuer Waldbewohner, wie Thie withen… auf Wiederthehen und viel Erfolg bei der Thuche! 
(Fuchs ab)
Hexe Also Kinder: los geht’s – suchen wir die Truhe! 
(Hexe von der Bühne ab)

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