Freitag, 31. Mai 2013

Interludium: DIE BALLADE VON DER GOLDMARIE


Ach, das war ein traurig’ Ding,
wie es mit Mariechen ging,
darum sei das, was sie getrieben
für euch als Mahnung aufgeschrieben.
Auf diesem Bild, da seht ihr sie:
die wunderschöne Goldmarie,
ein kurvenreiches Frauenzimmer
umhüllt von zartem, gold’nem Schimmer,
doch dachte sie, sie wär’ zu dick –
und so begann das Mißgeschick…

Kikerikii, kikerikii –
mach’ keinen Unsinn, Goldmarie!


Auf diesem Bild, da seht nur her
da wiegt sie schon viel weniger!
Sie macht seit Tagen schon Diät
und eine Zeitschrift sagt, wie’s geht:
vor dem Frühstück Essig pur,
das ist gut für die Figur,
danach ein bißchen trocknes Knäcke
und dann läuft sie eine Strecke,
abends bleibt ihr Teller leer
und ihr Rock, der rutscht schon sehr.
Kikerikii, kikerikii –
jetzt zählt sie jede Kalorie!


Nach vier Wochen sieht die Maid
schon recht verloren aus im Kleid,
die gold’nen Locken hängen schlapp
vom groß geword’nen Kopf herab.
Doch Marie, voll Stolz und Freude
kürzt den Saum von ihrem Kleide,
dünne Beine, die sind schön
und die soll jetzt jeder seh’n.
Das Mariechen freut sich sehr –
und isst gleich noch viel weniger!

Kikerikii, kikerikii –
übertreib’ es nicht, Marie!


Hier sehen wir sie nach sechs Wochen,
Marie ist nur noch Haut und Knochen!
Jetzt hat sie einen flachen Bauch,
doch flach ist alles andre auch.
Die Kurven, diese einst so vollen,
die den Bikini füllen sollen,
die sind leider nicht mehr da -
weggehungert ganz und gar,
vor Schwäche kann sie kaum noch steh’n,
Kinder sagt: ist das noch schön?
Kikerikii, kikerikii –
iss’ ein Butterbrot, Marie!
 


Ein junger Prinz kommt angeritten,
um Goldmariechens Hand zu bitten,
er hörte, sie sei schön und hold
und außerdem noch voller Gold,
doch als er die Marie erblickt,
geht er rückwärts und erschrickt:
„Am Gerippe dieser Frau
hau’ ich mich ja grün und blau,
die wiegt doch höchstens achtzig Pfund,
sieht aus, als wär’ sie nicht gesund.“

Kikerikii, kikerikii –
wie wär’s mit der Pechmarie?


Die Pechmarie, wer hätt’s gedacht?
hat die Diät nicht mitgemacht:
„Ich leb’ und esse gern – na und,
dann bin ich eben etwas rund!“
Das war wirklich richtig schlau,
denn der Prinz nimmt sie zur Frau.
Es sind die Kurven, die vor allem
ihm besonders gut gefallen:
„Du bist so schön und nicht so dünn,
drum wirst du meine Königin.“
 
Kikerikii, kikerikii –
Pech für uns’re Goldmarie!